
Über den Status „älteste Schule“
entscheidet ein Fußballspiel
Das Gymnasium Paulinum ist eine der beiden ältesten Schulen Deutschlands. Angesichts der etwas unklaren Quellenlage ist die seit langem strittige Frage, ob das Münsteraner Paulinum oder das Osnabrücker Carolinum die ältere Schule ist, historisch-wissenschaftlich nicht zu klären. Seit 2001 entscheiden die beiden Schulen die Frage deshalb sportlich: Bei dem alljährlichen Fußballspiel möge stets die Ältere gewinnen!
Eine Schule in Entwicklung.
Seit 797 lehrt und lernt man am Gymnasium Paulinum, einem der ältesten Gymnasien Europas. Seit über 1200 Jahren verändert sich diese Schule: Nach Jahrhunderten in kirchlicher, später staatlicher Trägerschaft ist das Paulinum jetzt ein städtisches Gymnasium mit erweiterter Autonomie. Mädchen haben das frühere Jungengymnasium längst erobert.
Die Leitbegriffe der Humanisten und der Reformer der Aufklärung, die Verpflichtung des Wissens auf das Gewissen und das Interesse an der Selbstständigkeit und Mündigkeit der Lernenden lenken auch weiterhin die Arbeit am Gymnasium Paulinum.
Die Geschichte des Paulinum
Ein Kloster als Missionszentrale
772
Nach der Unterwerfung der Sachsen fügte Karl der Große die eroberten Gebiete in sein fränkisches Reich ein. Ein wesentliches Instrument seiner Politik war dabei die Christianisierung der ehemaligen Gegner. So wurde Liudger, ein geistlicher Gelehrter, von Karl dem Großen beauftragt, im westsächsischen Mimigernafort ein Kloster als Missionszentrale zu errichten.
Karolingisches Reichsgesetz
789
Schon 789 hatte ein karolingisches Reichsgesetz verbindlich vorgeschrieben, dass an allen Klöstern und Bischofssitzen durch die Einrichtung einer „schola“ für die Ausbildung von Priestern gesorgt werde.
Schola Paulina
797
So wird es auch bei der dem Apostel Paulus geweihten Einrichtung Liudgers auf dem Horsteberg spätestens 797 eine solche „Schule“ gegeben haben, die „schola paulina“. Hier lernten im Rahmen einer geistlichen Lebensgemeinschaft seit dem späten 8. Jahrhundert am Horsteberg in Mimigernafurt junge Kleriker und Mönche alles, was sie für ihr Leben im Domstift oder Kloster brauchten: „die Psalmen, die Schrift, den Gesang, das Berechnen der kirchlichen Festtage und die lateinische Grammatik“.
Entwicklung einer Kaufmannssiedlung
1000
Erst ab dem 10. Jahrhundert entwickelte sich neben der bischöflichen Klosteranlage („monasterium“), deren Teil die „schola paulina“ war, eine Kaufmannssiedlung. Sie wurde zum Kern der neuen Stadt Münster.
Soweit es hier und im Münsterland überhaupt eine intellektuelle Kultur gab, war sie in den nächsten Jahrhunderten „paulinisch“ geprägt, und allein die „schola paulina“ vermittelte mit dem Latein die übernationale Verkehrssprache jener vergangenen Epoche.
Humanistisches Gymnasium
1500
Etwa ab 1500 wurde die schola paulina im Geiste des Humanismus reformiert: Neue Lehrer wurden berufen, neue, gedruckte Lehrbücher für den Lateinunterricht wurden angeschafft, und das Paulinum führte – vielleicht sogar als erste höhere Schule Deutschlands – das Griechische als Unterrichtsfach ein.
Als führende Bildungseinrichtung in Nordwestdeutschland fand das Paulinum jetzt seine Schüler in einem ausgedehnten Einzugsgebiet, das bis in die Niederlande und zur Ostsee reichte. „International“ ausgerichtet war das Paulinum schon damals!
Im Zeichen der Aufklärung
1773
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens (1773) prägte vor allem Franz von Fürstenberg als Minister und Generalvikar des Fürstbischofs die Umgestaltung des Paulinum im Zeichen der (katholischen) Aufklärung.
Eine enge personelle Verflechtung mit der ebenfalls 1773 gegründeten Universität sorgte für einen hohen Unterrichtsstandard, der das Paulinum auch für die aufgeklärten Schulreformer zum Erprobungsfeld neuer Fächer und Methoden qualifizierte.
Preußische Reformen
1815
Nach dem Wiederanschluss Münsters an Preußen (1815) wurde auch das Paulinum in eine Schulreform eingebunden, die auf die Effizienzsteigerung und Standardisierung des höheren Schulwesens zielte. Spätestens um die Mitte des Jahrhunderts entsprach das „Königliche Paulinische Gymnasium in Münster“ mit seinem neunjährigen Abiturbildungsgang den Anforderungen des preußischen Ministeriums und zählte so zu den privilegierten Schulen des Landes.
Weimarer Republik und Nationalsozialismus
1920
Berichte aus den 1920er Jahren bestätigten die Rolle de Paulinum als „Mutteranstalt der Schulen unserer Provinz“.
Wenig später und erstmals in seiner Geschichte wurde das Paulinum dann jedoch zur Randerscheinung des Münsterschen Schulwesens und büßte massiv an Schülern ein: Der NS-Staat griff zwar nicht mit letzter Konsequenz in den Bestand dieser Schule ein, aber unter den Bedingungen einer „völkisch“ und totalitär ausgerichteten Gesellschaft rückte ein Gymnasium, das seine humanistische Tradition zu wahren suchte, an die Peripherie der öffentlichen Wertschätzung. Die Zerstörung des Schulgebäudes in dem Luftangriff vom 10. Oktober 1943 traf eine Schule, deren struktureller Niedergang schon vorher begonnen hatte.
Wiederaufbau
1957
Die Wiedereröffnung des Staatlichen Gymnasiums Paulinum vollzog sich 1945 in den Räumen des Schillergymnasiums, die beide Schulen gemeinsam nutzten, bis das Paulinum 1957 am heutigen Standort wieder ein eigenes Gebäude erhielt.
Städtische Trägerschaft
1974
Dem äußeren Wiederaufbau folgten Jahre der Bildungsreform und -expansion, die nach 1965 auch das Paulinum veränderten. Die Übernahme der Trägerschaft durch die Stadt Münster im Jahr 1974 markierte dabei einen deutlichen Einschnitt.
Koedukation
1978
Mit der Einführung der Koedukation im Jahr 1978 öffnete sich das Paulinum auch für Mädchen; 1980/81 besuchten bereits fast 1000 Schülerinnen und Schüler die Schule.
IB World School
2011
Das Gymnasium Paulinum ist IB World School und damit autorisiert, interessierte und qualifizierte Schülerinnen und Schüler während der Qualifikationsphase der Oberstufe (Q1/Q2) auf den Erwerb des International Baccalaureate Diploma, eines weltweit anerkannten Hochschulzugangs, vorzubereiten. Die IB-Zusatzkurse werden in englischer Sprache unterrichtet. Seit Dezember 2011 ist dieses Angebot durch einen einstimmigen Beschluss des Stadtrats auch dauerhaft gesichert. Und die Erfahrungen unserer Absolventen sind sehr positiv.
Digitale Schule
2021
Seit vielen Jahren profiliert sich das Gymnasium Paulinum besonders im Bereich der Digitalisierung. Für ihr erfolgreiches Engagement wurde die Schule 2021 von der die Initiative „MINT Zukunft schaffen!“ als „Digitale Schule“ ausgezeichnet.
Heute
Die methodische Erneuerung der Unterrichtsarbeit, die systematische Einbindung von außerschulischen Kompetenzen, die konsequente Förderung aller Schülerinnen und Schüler entsprechend individueller Potenziale, der bewusste Umgang mit der Internationalität der Schülerschaft und die Gestaltung der Schule als Ort eines umfassend „gesunden“ Lebens und „nachhaltiger“ Entwicklung sind dabei die leitenden Ziele, um deren Realisierung sich das Paulinum weiter bemüht.