„Demokratie ist kein Zuschauersport“ – Ruprecht Polenz zu Gast am Paulinum

22.06.2026

Zum Auftakt der Projektwoche, die unter dem Motto „Europa“ steht, durfte das Gymnasium Paulinum am 22. Juni einen besonderen Gast begrüßen: Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz stellte sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler zu den Themen Demokratie, Europa und aktuelle politische Entwicklungen.

Polenz, der viele Jahre den Wahlkreis Münster im Deutschen Bundestag vertrat, berichtete zunächst kurz von seinem persönlichen Werdegang. Geboren in der damaligen DDR, floh seine Familie 1952 nach West-Berlin. Später kam er zum Jurastudium nach Münster, wo sein politisches Engagement begann und schließlich den Weg in die Bundespolitik ebnete.

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen jedoch die Herausforderungen für die Demokratie. Polenz betonte, dass Demokratie vor allem von der Kontrolle politischer Macht lebe und nur funktionieren könne, wenn Bürgerinnen und Bürger sich aktiv einbringen. Angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage hob er zudem die Bedeutung eines geeinten Europas und einer engen Zusammenarbeit der europäischen Staaten hervor.

Ausführlich sprach Polenz über die Rolle von Medien und sozialen Netzwerken. Er warnte vor dem Einfluss von Algorithmen, die Informationen gezielt filtern und damit Meinungen beeinflussen könnten. Zugleich machte er deutlich, wie gefährlich es sei, wenn Wahrheit und Lüge zunehmend gleichwertig behandelt würden. Als Beispiel nannte er die zahlreichen nachweislich falschen Aussagen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump und warnte vor politischen Strategien, die das Vertrauen in verlässliche Informationen untergraben.

Auch die zunehmende Konzentration wirtschaftlicher, politischer und medialer Macht – etwa bei Unternehmern wie Elon Musk – betrachtete Polenz kritisch. Mit Blick auf Deutschland sprach er außerdem über die AfD, erläuterte demokratische Grundprinzipien und machte deutlich, wo die Grenzen einer freiheitlichen Demokratie gegenüber extremistischen Positionen liegen. Gleichzeitig warb er dafür, Menschen nicht vorschnell in Schubladen einzuordnen, sondern differenziert miteinander ins Gespräch zu kommen.

Sein wichtigster Appell richtete sich an die Schülerinnen und Schüler selbst: Demokratie lebe vom Mitmachen. Ob in Vereinen, Initiativen oder später auch in politischen Parteien – gesellschaftliches Engagement sei unverzichtbar. Mit einem Satz brachte er seine Botschaft auf den Punkt: „Demokratie ist kein Zuschauersport.“

Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit zu einem offenen Austausch und verfolgten die Ausführungen ihres Gastes mit großem Interesse. Der Besuch bot zahlreiche Denkanstöße und bildete einen gelungenen Auftakt der Projektwoche.

von Dr. Marc Kleine