„Dem Menschen seine Würde zurückgeben“ – Bestatterin Anne Love zu Gast im Religionskurs der EF 

11.06.2026

„Ein Verstorbener ist und bleibt ein Mensch – nicht nur eine Hülle.“ Mit diesem Satz brachte Frau Anne Love vom Bestattungsinstitut Heinrich Averbeck in Münster die Haltung auf den Punkt, die ihre Arbeit seit mehr als 30 Jahren prägt. Im katholischen Religionskurs der EF bei Frau Schmitz gewährte sie den Schülerinnen und Schülern eindrucksvolle Einblicke in einen Beruf, dessen wichtigste Aufgabe darin besteht, verstorbenen Menschen ihre einzigartige Würde zu bewahren und den Angehörigen einen heilsamen Abschied zu ermöglichen. 

Bevor Frau Love einen Verstorbenen versorgt, möchte sie die je ganz individuelle Lebensgeschichte kennenlernen. Fotos, persönliche Erinnerungen und Gespräche mit den Angehörigen helfen ihr, ein Bild des Menschen zu gewinnen: Welche Kleidung trug er/sie gerne? Welche Frisur war typisch? Was machte sie/ihn aus? Erst dann beginnt die sorgfältige Versorgung – mit Waschen, Frisieren, Ankleiden und, wenn gewünscht, dezentem Schminken. Ziel ist es, den verstorbenen Menschen so herzurichten, dass die Familie ihn noch einmal in würdevoller Erinnerung erleben kann. 

Auch sehr besondere Aufgaben gehören dazu. Nach Unfällen oder rechtsmedizinischen Untersuchungen müssen Verletzungen versorgt oder sichtbare Veränderungen behutsam behandelt werden, damit ein Abschied am offenen Sarg überhaupt und für die trauernden Angehörigen emotional möglich wird. Ebenso erläuterte Frau Love behutsam, dass durch fachgerechte hygienische und konservierende Maßnahmen ausreichend Zeit für den Abschied geschaffen werden kann – etwa wenn Angehörige aus dem Ausland anreisen oder Verstorbene zunächst zu Hause aufgebahrt werden sollen. 

Mindestens ebenso wichtig wie die würdevolle Versorgung der Toten ist für Frau Love die Begleitung der Lebenden. In den Gesprächen mit den Angehörigen ist sie oft Zuhörerin, Beraterin und Seelsorgerin zugleich. Sie hilft dabei, persönliche Abschiedsrituale zu entwickeln und den letzten Weg individuell zu gestalten. Gerade in diesen Begegnungen erfahre sie, wie wichtig Menschlichkeit und Empathie in ihrem Beruf seien. Und dazu gehört auch, allein zurückbleibende Angehörige zu begleiten und ggf. professionelle Unterstützung im Trauerprozess zu vermitteln.  

Der vielseitige Beruf einer Bestatterin erfordert zudem weit mehr als organisatorisches Geschick und empathische, individuelle Begleitung. Unterschiedliche religiöse und kulturelle Bestattungsrituale, internationale Überführungen sowie die Zusammenarbeit mit Behörden im In- und Ausland verlangen umfangreiches Fachwissen und große Sensibilität. 

Für die Schülerinnen und Schüler wurde sehr deutlich, dass insbesondere für Frau Love dieser Beruf weit über die zahlreichen organisatorischen Abläufe einer Beerdigung hinausgeht. Im Mittelpunkt steht immer der einzigartige Mensch – mit seiner Geschichte, seiner Persönlichkeit und seiner unveräußerlichen Würde. Und eine Bestattung gibt es nur ein einziges Mal; sie so würdevoll und individuell zu gestalten, dafür gibt es nurdie eine Chance. Frau Love danken wir sehr für diesen so eindrucksvollen Einblick in ihren Beruf, der für sie weiterhin eine Berufung ist und bleibt. 

von Simone Schmitz